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Kaufberatung

Taschenuhren: Geschichte, Technik und Kaufberatung

Taschenuhren trägt man an einer Kette oder lose in der Tasche. Bei älteren Modellen zählt neben dem Aussehen vor allem der Zustand des Uhrwerks. Wenn die Uhr kurz läuft, sagt das noch nichts über ihre Zuverlässigkeit oder den Wartungsbedarf aus.

Bei der Auswahl zählen drei Fragen: Soll die Uhr regelmäßig laufen oder vor allem gesammelt werden? Bevorzugen Sie ein offenes Zifferblatt oder einen schützenden Deckel? Lässt sich das konkrete Uhrwerk fachgerecht warten?

Wie Taschenuhren entstanden

Tragbare Uhren wurden möglich, als der Federantrieb die großen Gewichte früherer Uhren ersetzte. Ein frühes erhaltenes Beispiel mit Federantrieb stammt ungefähr aus dem Jahr 1430. Die ersten tragbaren Uhren des 16. Jahrhunderts waren teils noch klobig und wurden als Anhänger oder in einem Beutel getragen. Sie sahen also nicht unbedingt wie die flache Uhr aus, die man heute mit einer Westentasche verbindet.

Der Nürnberger Peter Henlein zählt zu den frühen bekannten Herstellern tragbarer Uhren. Die Entwicklung lässt sich jedoch nicht einer einzelnen Person oder einem gesicherten Erfindungsjahr zuschreiben. Später half der Uhrmacher Jean-Antoine Lépine dabei, flachere Uhren zu bauen, indem er die Teile im Uhrwerk anders anordnete.

Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die industrielle Fertigung. Taschenuhren blieben bis ins frühe 20. Jahrhundert eine wichtige tragbare Uhr; später setzte sich die Armbanduhr stärker durch. Zu den preisgünstigen Modellen zählten Taschenuhren mit Stiftankerhemmung: In den 1920er Jahren wurden davon in Deutschland jährlich rund vier Millionen hergestellt. Etwa die Hälfte davon ging in den Export.

Lépine oder Savonnette?

Lépine und Savonnette bezeichnen vor allem Gehäuseformen. Die Begriffe sagen nichts über die Qualität der Uhr aus. Eine Lépine-Uhr hat keinen Deckel über dem Zifferblatt. Bei einer Savonnette schützt ein aufklappbarer Deckel das Glas und Zifferblatt. Eine Doppel-Savonnette besitzt zusätzlich einen beweglichen Rückdeckel, der den Blick auf das Werk freigibt.

Bauform Erkennungsmerkmal Praktischer Unterschied
Lépine Offenes Zifferblatt, meist Krone bei zwölf Uhr Die Uhrzeit lässt sich ablesen, ohne einen Deckel zu öffnen.
Savonnette Sprungdeckel über dem Zifferblatt, traditionell meist Krone bei drei Uhr Der Deckel schützt Glas und Zifferblatt vor direktem Kontakt.
Doppel-Savonnette Bewegliche Deckel vorn und hinten Auch die Rückseite des Werks lässt sich zeigen.

„Lépine“ kann auch eine Bauart des Uhrwerks bezeichnen. Gehäuseform und Aufbau des Werks stimmen daher nicht immer überein. Suchen Sie ein bestimmtes Modell, prüfen Sie die Beschreibung und Fotos, statt sich allein auf die Bezeichnung zu verlassen.

So funktioniert das Taschenuhrwerk

Bei einer mechanischen Taschenuhr speichert eine Zugfeder die Energie. Sie wird beim Aufziehen gespannt und gibt ihre Kraft nach und nach ab. Das Räderwerk überträgt diese Kraft auf die Zeiger. Die Hemmung steuert, wie das Räderwerk seine Kraft abgibt. Unruh und Spirale bestimmen dabei den Takt des Werks.

Ältere Uhren werden mit einer Krone oder einem Schlüssel aufgezogen; bei einem Schlüsselwerk kann der Schlüssel je nach Konstruktion auch zum Stellen der Uhr dienen. Fragen Sie beim Kauf nach der richtigen Bedienung und ob der passende Schlüssel vorhanden ist. Ist die Funktion unklar, drehen oder ziehen Sie nichts mit Kraft.

Historische Werke verwenden unterschiedliche Hemmungen. Eine Spindelhemmung etwa findet sich in älteren Taschenuhren; preisgünstige deutsche Modelle des frühen 20. Jahrhunderts nutzten häufig eine Stiftankerhemmung. An Gehäuse und Zifferblatt erkennen Sie die genaue Bauart des Werks nicht immer. Auch eine pauschale Aussage zur Ganggenauigkeit hilft wenig: Der Gang hängt vom Alter und der Konstruktion ab. Bei einem einzelnen Werk spielen zudem Wartung und Zustand eine Rolle.

Taschenuhr vor dem Kauf prüfen

Legen Sie zuerst fest, ob Sie die Uhr regelmäßig oder nur gelegentlich tragen oder sammeln möchten. Für den schnellen Blick auf die Uhrzeit ist eine offene Lépine praktisch. Wenn der Schutz des Zifferblatts wichtiger ist, passt eine Savonnette besser. Keine Bauform ist grundsätzlich hochwertiger.

Lassen Sie sich anschließend die Bedienung zeigen und achten Sie auf folgende Punkte:

  • Funktion: Lässt sich die Uhr aufziehen und stellen, und läuft sie danach weiter? Ein kurzer Funktionstest ersetzt keine fachliche Prüfung.
  • Zustand: Achten Sie auf Schäden an Glas, Zifferblatt und Gehäuse. Fragen Sie, ob Zeiger, Zifferblatt oder Werk verändert oder ersetzt wurden.
  • Bedienung: Klären Sie, ob die Uhr einen Schlüssel oder Kronenaufzug hat und ob alle nötigen Teile beiliegen.
  • Wartung: Fragen Sie nach Belegen für frühere Arbeiten. Fehlen sie, lassen Sie den Zustand vor dem Kauf von einem Uhrmacher einschätzen.
  • Reparierbarkeit: Erkundigen Sie sich, ob ein Uhrmacher das Werk reparieren kann und ob die benötigten Teile erhältlich sind.
  • Gesamtkosten: Rechnen Sie mögliche Reparaturen oder eine nötige Überholung zum Kaufpreis hinzu. Für ältere Uhren gibt es keinen einheitlichen Reparaturpreis.

Bei einem Onlineangebot helfen scharfe Fotos, sofern das Werk sicher zugänglich ist. Wichtig sind Aufnahmen vom Zifferblatt und Gehäuse sowie vom Werk. Lassen Sie Schäden und Funktionsangaben schriftlich bestätigen. Klären Sie auch die Rückgabebedingungen schriftlich. Eine bekannte Marke oder ein niedriger Preis allein sagt wenig über den Zustand des konkreten Stücks aus.

Eine laufende Uhr ist nicht automatisch gewartet oder dauerhaft zuverlässig. Das Alter allein macht die Uhr auch nicht zu einer sicheren Wertanlage. Wenn Ihnen der Sammlerwert wichtig ist, lassen Sie Originalität und Zustand von einer sachkundigen Person beurteilen, bevor Sie sich auf die Beschreibung des Verkäufers verlassen.