Der Schleppzeiger-Chronograph: Funktionsweise und Zwischenzeitmessung
Bei einem Schleppzeiger-Chronographen laufen zwei Sekundenzeiger gemeinsam. Mit einem zusätzlichen Drücker halten Sie einen davon an, während der andere weiterläuft. So lesen Sie eine Zwischenzeit ab, ohne die Zeitmessung zu stoppen.
Der Schleppzeiger ist der zweite Sekundenzeiger. Er wird auch Rattrapante genannt und liegt meist genau unter dem anderen Zeiger. Im Ruhezustand ist er kaum zu sehen. Seine zusätzliche Mechanik macht den Chronographen aufwendiger als ein Modell mit nur einem Stoppsekundenzeiger.
Zwei Zeiger, eine Messung
Beim Start des Chronographen setzen sich beide Sekundenzeiger gleichzeitig in Bewegung. Der normale Chronographendrücker steuert die Messung; ein eigener Drücker bedient den Schleppzeiger. Wird dieser betätigt, bremst der Mechanismus einen der beiden Zeiger ab. Der andere läuft weiter und zeigt die seit dem Start verstrichene Zeit.
Ein Beispiel ist ein Rennen mit gemeinsamem Start: Beim Zieleinlauf des ersten Läufers halten Sie den Schleppzeiger an. Der zweite Zeiger misst weiter, bis auch der nächste Läufer das Ziel erreicht. So lassen sich beide Zielzeiten direkt an der Uhr vergleichen.
Zwischenzeit ablesen
So lesen Sie eine Zwischenzeit ab:
- Drücken Sie den Startdrücker. Beide Sekundenzeiger laufen los.
- Drücken Sie beim gewünschten Messpunkt den Schleppzeiger-Drücker. Ein Zeiger hält an, der andere läuft weiter.
- Lesen Sie die festgehaltene Zwischenzeit ab.
- Drücken Sie den Schleppzeiger-Drücker erneut. Der angehaltene Zeiger springt zum laufenden Zeiger und läuft mit ihm weiter. Diesen Vorgang nennt man Aufschließen.
Danach können Sie erneut eine Zwischenzeit festhalten. Der Mechanismus speichert frühere Werte dabei nicht dauerhaft: Beim Aufschließen verlässt der Schleppzeiger seine angezeigte Position. Wenn Sie mehrere Rundenzeiten unabhängig voneinander dokumentieren möchten, müssen Sie die abgelesenen Werte also anderweitig notieren.
Bei vielen gewöhnlichen Schleppzeiger-Chronographen betrifft die Zwischenzeitmessung den Sekundenbereich. Uhrwerke mit erweitertem Schleppzeigermechanismus ergänzen weitere Schleppzeiger, etwa für Minuten. A. Lange & Söhne gibt für den DOUBLE SPLIT einen Messbereich bis 30 Minuten und für den TRIPLE SPLIT bis zu 12 Stunden an. Das sind besondere Konstruktionen, keine allgemeine Eigenschaft jedes Schleppzeiger-Chronographen.
Bremse und Synchronisierung
Das Uhrwerk muss den Schleppzeiger unabhängig anhalten und danach genau auf den laufenden Zeiger setzen. Dafür braucht es zusätzliche Zahnräder und Hebel. Eine Bremse hält den Schleppzeiger fest, ohne den anderen Zeiger zu stören.
Je nach Konstruktion bringt ein Mechanismus die Zeiger beim Aufschließen wieder in dieselbe Position. In einer von Blancpain beschriebenen Ausführung übernimmt ein herzförmiger Nocken, also ein speziell geformtes Bauteil, diese Ausrichtung. Ein Isolator, ein Bauteil zum Trennen, entkoppelt dabei den angehaltenen Zeiger vom weiterlaufenden Teil des Uhrwerks. So entsteht weniger zusätzliche Reibung. Die genaue Lösung unterscheidet sich je nach Uhrwerk.
Auch die Bauweise muss präzise sein: Beide Zeiger sitzen auf übereinanderliegenden Achsen, die dieselbe Mittellinie haben. Solche Achsen heißen koaxial. Die Zeiger müssen genau ausgerichtet sein und dürfen sich nicht gegenseitig behindern. Patek Philippe beschrieb für das Kaliber der Referenz 5204 einen Isolator aus 42 Einzelteilen mit einer Höhe von 1,7 Millimetern. Diese Zahlen beziehen sich auf dieses konkrete Uhrwerk und nicht auf alle Schleppzeiger-Chronographen.