Magnetismus bei Uhren: Gefahrenquellen und Abhilfe

Mechanische Armbanduhren geraten durch starke Magnetfelder aus dem Takt. Kommt ein solches Feld in die Nähe des Uhrwerks, stört es die Schwingung der Unruh, die das Herzstück der Gangregulierung ist. Die Uhr geht dann vor oder nach, im Extremfall bleibt sie stehen.

Eine magnetisierte Uhr lässt sich meist reparieren, und die häufigsten Gefahrenquellen im Alltag lassen sich leicht vermeiden.

Wo Magnetfelder im Alltag lauern

Magnetfelder entstehen überall dort, wo elektrischer Strom fließt. Je stärker der Strom und je enger die Spulen, desto kräftiger das Feld. Für Ihre Uhr sind nur die starken Quellen gefährlich, die Sie direkt an das Handgelenk bringen. Die schwachen Felder des Alltags schaden nicht.

Die häufigsten Übeltäter im Haushalt sind Lautsprecher und Kopfhörer. In ihnen sitzen große Magnete, die die Membran antreiben. Wenn Sie Ihre Uhr zum Beispiel zum Aufladen eines Bluetooth-Kopfhörers neben das Ladecase legen oder sie auf einer Soundbar ablegen, wirkt das Feld direkt auf das Werk. Auch Handtaschenverschlüsse mit Magnetdruckknöpfen sind eine häufige Gefahrenquelle, weil die Uhr dort über Stunden direkt am Magneten liegt.

Induktionskochfelder erzeugen beim Kochen starke Wechselfelder. Wer die Uhr beim Kochen am Handgelenk trägt und die Hand über das Feld hält, setzt das Werk starken Kräften aus. Gleiches gilt für Kreditkarten mit Magnetstreifen, die in manchen Geldbörsen mit Magnetverschluss stecken, sowie für die Lautsprecher in Laptops, Tablets und Smartphones. Das Problem ist die Position. Liegt die Uhr direkt auf dem Gerät oder in der Nähe des Lautsprechers, wird sie magnetisiert.

Warum mechanische Uhren empfindlich reagieren

In einem mechanischen Uhrwerk schwingt die Unruh mit einer festen Frequenz hin und her. Die Spiralfeder, die diese Schwingung steuert, besteht aus einer speziellen Legierung. Ein äußeres Magnetfeld richtet die winzigen magnetischen Bereiche im Material aus. Die Folge: Die Feder verhält sich anders. Sie wird steifer oder weicher, und die Unruh schwingt schneller oder langsamer. Die Uhr geht dann pro Tag um mehrere Minuten vor oder nach, je nach Stärke des Feldes.

Besonders hochwertige Werke mit fein justierter Spiralfeder reagieren empfindlicher als einfache Kaliber, weil ihre Gangtoleranz enger ist. Eine Abweichung von wenigen Sekunden pro Tag fällt bei einem Präzisionswerk sofort auf, während sie bei einem einfachen Werk im normalen Toleranzbereich liegt. Automatik- und Handaufzugswerke sind gleichermaßen betroffen. Der Unterschied liegt in der Konstruktion der Hemmung und der Spiralfeder, nicht im Aufzugmechanismus.

Quarzuhren sind von diesem Problem praktisch nicht betroffen. Sie nutzen einen Schwingquarz zur Zeitmessung, dessen Frequenz durch Magnetfelder kaum beeinflusst wird. Wer eine Quarzuhr trägt, muss sich also keine Gedanken machen.

Woran Sie eine magnetisierte Uhr erkennen

Das deutlichste Symptom ist eine plötzliche Gangabweichung. Wenn Ihre Uhr bisher zuverlässig lief und plötzlich deutlich vor- oder nachgeht, ohne dass Sie sie gestoßen oder fallen gelassen haben, ist Magnetismus die wahrscheinlichste Ursache. Ein zweites Anzeichen ist ein unregelmäßiger Sekundenlauf, bei dem der Sekundenzeiger sichtbar stockt oder springt.

Eine einfache Prüfung mit einem Kompass zeigt, ob die Uhr magnetisiert ist. Halten Sie einen Kompass in die Nähe des Uhrgehäuses. Zeigt die Nadel deutlich von der Nordrichtung ab oder schlägt sie aus, wenn Sie die Uhr bewegen, ist das Werk magnetisiert. Ein nicht magnetisiertes Uhrwerk lässt die Kompassnadel unbeeinflusst. Diese Methode funktioniert bei allen mechanischen Uhren, unabhängig vom Gehäusematerial.

Was Sie selbst tun können und was der Fachmann macht

Das Entmagnetisieren sollte ein Uhrmacher machen. Er verwendet ein Entmagnetisierungsgerät, das ein schnell wechselndes Magnetfeld erzeugt und die ausgerichteten Bereiche in der Spiralfeder wieder durcheinanderbringt. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und kostet bei einem Juwelier oder Uhrmacher in der Regel wenig. Wichtig ist, dass der Fachmann die Uhr danach auf einem Zeitmessgerät prüft und gegebenenfalls die Gangwerte neu justiert.

Selbst Hand anlegen sollten Sie nicht. Haushaltsmagnete oder improvisierte Entmagnetisierungsschleifen richten mehr Schaden an, als sie beheben, weil sie das Werk zusätzlich belasten oder die Spiralfeder verformen können. Auch das Klopfen oder Schütteln der Uhr hilft nicht und riskiert mechanische Schäden an Lager und Hemmung.

Vorbeugen ist einfacher als reparieren

Die wirksamste Maßnahme ist, die Uhr nicht in die Nähe starker Magnete zu bringen. Legen Sie sie nicht auf Lautsprecher, Soundbars, Laptops oder Induktionskochfelder. Achten Sie bei Handtaschen und Geldbörsen auf Verschlüsse mit Magnetdruckknöpfen und bewahren Sie die Uhr dort nicht über längere Zeit auf. Wenn Sie die Uhr nachts ablegen, genügt ein Platz auf dem Nachttisch, fern von Ladegeräten und Smartphone-Lautsprechern.

Hersteller bieten mittlerweile antimagnetische Modelle an, die mit speziellen Legierungen für die Spiralfeder oder mit einem inneren Weicheisenkäfig arbeiten. Diese Uhren halten Feldern stand, die weit über den alltäglichen Werten liegen. Wer beruflich regelmäßig mit starken Magneten arbeitet, etwa in der Elektrotechnik oder Medizintechnik, sollte beim Kauf auf eine solche Ausführung achten. Für den normalen Büro- und Haushaltsalltag reicht jedoch das konsequente Meiden der genannten Quellen völlig aus.