Taschenuhren: Geschichte, Arten, Uhrwerke und Kaufberatung
Taschenuhren werden heute nicht mehr als alltägliche Massenzeitmesser getragen. Sie haben dennoch ihren Platz gefunden: als mechanisches Kulturobjekt, Sammlerstück, Schmuckstück, Geschenk und stilvolles Accessoire zu Weste, Sakko oder klassischer Kleidung. Eine Taschenuhr ist eine tragbare Uhr, die in einer Hosen-, Westen- oder Jackentasche liegt und meist mit einer Kette an der Kleidung befestigt wird.
Das Angebot reicht von einfachen Quarzuhren für gelegentliche Anlässe bis zu historischen Sammleruhren, hochwertigen mechanischen Modellen und komplizierten Einzelstücken. Wer eine Taschenuhr kaufen möchte, sollte deshalb zuerst klären, wofür er sie verwenden will. Für unkomplizierte Zeitmessung eignet sich ein Quarzwerk. Wer den Handaufzug, die Mechanik und die Geschichte schätzt, findet in einer mechanischen Taschenuhr die passendere Wahl.
Was ist eine Taschenuhr?
Taschenuhren zeigen die Uhrzeit auf einem meist runden Zifferblatt an und werden in einer Tasche getragen. Eine Kette verbindet die Uhr mit einem Knopfloch, einer Weste oder einer speziellen Befestigung. Sie schützt vor Verlust und gehört zugleich zum typischen Erscheinungsbild der Taschenuhr.
Bei Herrenmodellen befand sich die Uhr früher häufig in der Westentasche. Zuvor trugen Männer sie auch in der Tasche eines Wamses, dem Vorläufer der Weste. Für Taschenuhren wurden teilweise eigene Uhrentaschen in Kleidungsstücke eingearbeitet. Die kleine fünfte Tasche moderner Jeans geht auf eine solche Nutzungstradition zurück, auch wenn sie heute meist für Münzen oder andere Kleinigkeiten verwendet wird.
Frauen trugen kleine Uhren teilweise an Halsketten oder als offen sichtbare Schmuckstücke. Diese Modelle verschwanden nicht zwingend in einer Tasche. Ihre Gestaltung und die feinere Kette machten sie zu einem Bestandteil der Kleidung.
Heute sprechen mehrere Gründe für eine Taschenuhr:
- Sie ergänzt einen klassischen Kleidungsstil.
- Sie macht historische Uhrentechnik unmittelbar erlebbar.
- Sie eignet sich als persönliches Geschenk zu Hochzeit, Jubiläum oder Berufsabschluss.
- Sie bietet Sammlern ein großes Feld mit regionalen, technischen und gestalterischen Schwerpunkten.
- Sie entschleunigt die Zeitabfrage, weil zum Ablesen ein bewusster Griff in die Tasche gehört.
Für den schnellen Blick auf die Uhrzeit bleibt die Armbanduhr praktischer. Die Taschenuhr überzeugt vor allem durch Haptik, Gestaltung und mechanische Faszination.
Die Geschichte der Taschenuhr
Der Federantrieb machte tragbare Uhren möglich
Frühe mechanische Uhren wurden durch Gewichte angetrieben. Das begrenzte ihre Größe und ihren Einsatzort, weil die Gewichte frei hängen und sich bewegen mussten. Der Federantrieb veränderte diese Voraussetzung. Eine gespannte Feder speichert Energie und gibt sie kontrolliert an das Uhrwerk ab. Dadurch konnten Uhrmacher die Antriebstechnik deutlich kleiner bauen.
Die ersten tragbaren Kleinuhren entstanden im frühen 16. Jahrhundert. Sie waren zunächst häufig kugel- oder dosenförmig und entsprachen noch nicht der flachen, runden Taschenuhr, die heute als typisch gilt. Manche wurden am Körper oder in kleinen Beuteln getragen. Mit der weiteren Entwicklung der Uhrwerke entstanden flachere Gehäuse, die sich besser für Westen- und Hosentaschen eigneten.
Bei älteren Federwerken übertrug eine feine Kette die Kraft der Zugfeder auf eine Schnecke. Diese Konstruktion glich die schwankende Kraft der Feder während des Ablaufs aus und verbesserte die gleichmäßige Bewegung des Uhrwerks.
Peter Henlein war ein früher bedeutender Hersteller
Nürnberg spielte bei der Entwicklung tragbarer Kleinuhren eine wichtige Rolle. Peter Henlein gehört zu den bekanntesten frühen Uhrmachern dieser Stadt. Lange galt er als alleiniger Erfinder der Taschenuhr um 1510. Diese Darstellung ist heute zu eindeutig.
Die Entwicklung tragbarer Uhren entstand wahrscheinlich über mehrere technische Schritte und durch die Arbeit verschiedener Uhrmacher. Peter Henlein war ein bedeutender früher Hersteller, doch seine alleinige Urheberschaft an der Erfindung der Taschenuhr ist nicht ausreichend belegt.
Auch die sogenannte Henlein-Uhr im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg muss differenziert betrachtet werden. Untersuchungen zeigten, dass sie aus Bauteilen unterschiedlichen Alters zusammengesetzt ist. Die bekannte Inschrift wurde wahrscheinlich später angebracht. Das macht das Objekt für die Geschichte der Uhrmacherei weiterhin interessant, bestätigt aber keine vollständig originale Uhr von 1510.
Die Industrialisierung machte Taschenuhren erschwinglicher
Im 16. und 17. Jahrhundert waren tragbare Uhren aufwendig herzustellen und teuer. Sie blieben daher zunächst wohlhabenden Personen vorbehalten. Das änderte sich im 19. Jahrhundert durch Maschinenfertigung, standardisierte Bauteile und größere Produktionsmengen.
Taschenuhren wurden nun für breitere Bevölkerungsschichten erreichbar. Neben hochwertigen Silber- und Golduhren entstanden solide bürgerliche Modelle und preisgünstige Gebrauchsuhrwerke. Stiftankeruhren spielten dabei eine wichtige Rolle. Bei einem Stiftankerwerk bestehen die Kontaktflächen des Ankers aus Stahlstiften. Diese Bauweise senkte die Produktionskosten und ermöglichte Uhren für den täglichen Gebrauch.
Der heutige Sammlerwert einer solchen Uhr ist oft begrenzt. Ihre historische Bedeutung bleibt trotzdem groß, weil sie genaue Zeitmessung für viele Menschen zugänglich machte.
Die Armbanduhr setzte sich im Alltag durch
Um 1900 erreichte die Taschenuhr ihre größte Verbreitung. Danach begann der schrittweise Übergang zur Armbanduhr. Ein einzelnes Ereignis löste diesen Wandel nicht aus. Die Armbanduhr ließ sich im beruflichen und militärischen Alltag schneller ablesen, weil der Griff in die Tasche entfiel.
Der Erste Weltkrieg verstärkte diese Entwicklung. Soldaten und andere Träger mussten häufig beide Hände frei haben und benötigten dennoch einen schnellen Blick auf die Uhrzeit. Nach dem Krieg verbreitete sich die Armbanduhr zunehmend als Standard. Taschenuhren blieben als klassische Accessoires, Sammlerstücke und besondere Geschenke erhalten.
Welche Taschenuhr-Arten gibt es?
Die Bauform beeinflusst Aussehen, Schutz, Ablesbarkeit und Tragekomfort. Die wichtigsten Varianten unterscheiden sich vor allem durch den vorderen Deckel und die Position der Krone.
| Bauform | Typisches Merkmal | Geeignet für |
|---|---|---|
| Lépine oder Open Face | Kein vorderer Deckel, Krone meist bei 12 Uhr | Schnelles Ablesen und flache Kleidung |
| Savonnette | Sprungdeckel schützt Zifferblatt und Glas, Krone meist bei 3 Uhr | Klassischen Auftritt und robusteren Glas-Schutz |
| Halbsavonnette | Deckel mit Sichtfenster | Schutz und Ablesbarkeit bei geschlossenem Deckel |
| Frackuhr | Besonders flaches, kompaktes Gehäuse | Enge Westentaschen und formelle Kleidung |
| Flieger-Taschenuhr | Teilweise gedrehtes Zifferblatt für besondere Tragepositionen | Historisch orientierte Sammler |
Lépine-Taschenuhr
Eine Lépine-Taschenuhr besitzt keinen vorderen Sprungdeckel. Das Zifferblatt liegt direkt unter dem Glas. Die Krone befindet sich typischerweise bei 12 Uhr. Dadurch fällt die Uhr meist flacher aus und lässt sich schnell ablesen.
Diese Bauform eignet sich für Menschen, die ihre Taschenuhr regelmäßig ansehen möchten. Sie passt gut zu Weste, Sakko und zurückhaltender Kleidung.
Savonnette oder Sprungdeckeluhr
Bei der Savonnette schützt ein aufspringender Metalldeckel das Glas und Zifferblatt. Die Krone sitzt meist bei 3 Uhr. Der Deckel verleiht der Uhr eine markante, traditionelle Form.
Der Schutz hat praktische Vorteile, die Uhr wird dadurch aber etwas dicker und langsamer abzulesen. Die Deckelmechanik benötigt bei älteren Uhren besondere Aufmerksamkeit, da Federn, Scharniere oder Verschlüsse verschleißen können.
Halbsavonnette
Die Halbsavonnette verbindet beide Prinzipien. Ein Fenster im Deckel erlaubt den Blick auf einen Teil des Zifferblatts, ohne den Schutz vollständig zu öffnen. Diese Bauform ist seltener als die klassischen Varianten und richtet sich besonders an Liebhaber historischer Gestaltung.
Frackuhr
Frackuhren sind besonders flach und kompakt. Sie wurden für die schmale Westentasche zum Frack entwickelt. Häufig handelt es sich um schlichte Lépine-Modelle mit zurückhaltendem Gehäuse und dünnem Werk.
Flieger-Taschenuhr
Flieger-Taschenuhren gehören zu einem speziellen historischen Segment. Bei manchen Modellen wurde das Zifferblatt gedreht, weil die Uhr in einer bestimmten Position über Kopf eingehängt wurde. Solche Uhren sollten nicht mit gewöhnlichen Taschenuhren gleichgesetzt werden. Ihre Besonderheit liegt in der Verbindung von Uhrentechnik und historischer Nutzung.
Mechanisches Uhrwerk oder Quarzwerk?
Die Wahl des Uhrwerks entscheidet stärker über die Nutzung als das Gehäusedesign. Mechanische Modelle verlangen mehr Aufmerksamkeit, bieten dafür ein traditionelles Erlebnis. Quarzmodelle laufen mit Batterie und sind im Alltag meist genauer und unkomplizierter.
Mechanischer Handaufzug
Bei einem mechanischen Handaufzug wird die Zugfeder regelmäßig über die Krone gespannt. Die Feder treibt anschließend das Räderwerk und die Zeiger an. Moderne mechanische Taschenuhren erreichen je nach Werk eine Gangreserve von ungefähr zwei Tagen. Danach müssen sie erneut aufgezogen werden.
Vorteile:
- traditionelle Uhrmacherkunst,
- keine Batterie,
- spürbare Mechanik beim Aufziehen,
- hohe historische und technische Authentizität,
- große Auswahl bei Vintage- und Sammleruhren.
Nachteile:
- regelmäßiges Aufziehen,
- normale Gangabweichungen,
- Empfindlichkeit gegenüber starken Stößen und Magnetfeldern,
- regelmäßiger Wartungsbedarf.
Eine mechanische Uhr passt zu Menschen, die den täglichen Umgang mit einem technischen Gegenstand schätzen. Wer sie nur zu einzelnen Anlässen trägt, sollte sie vor dem Einsatz aufziehen und die Uhrzeit kontrollieren.
Quarzwerk
Ein Quarzwerk nutzt eine Batterie und einen elektronischen Taktgeber. Quarz-Taschenuhren sind in der Regel genauer und einfacher zu bedienen. Sie müssen nicht täglich aufgezogen werden und eignen sich deshalb für gelegentliche Nutzung oder als Geschenk.
Vorteile:
- hohe Alltagstauglichkeit,
- geringe Gangabweichung,
- kein tägliches Aufziehen,
- meist niedrigerer Einstiegspreis,
- unkomplizierte Nutzung bei seltenem Tragen.
Nachteile:
- Batterie muss gewechselt werden,
- weniger traditionelle Mechanik,
- bei älteren Modellen können elektronische Ersatzteile schwerer erhältlich sein.
Die bessere Wahl hängt vom Zweck ab. Für einen unkomplizierten Auftritt bei einer Hochzeit ist ein Quarzmodell oft sinnvoll. Für einen Liebhaber mechanischer Uhren gehört der Handaufzug hingegen zum eigentlichen Erlebnis.
Taschenuhr kaufen: Worauf kommt es an?
Neue Taschenuhr oder Vintage-Modell?
Neue Taschenuhren bieten klare Herstellerangaben, Rückgabemöglichkeiten und häufig eine Garantie. Sie sind besonders für Einsteiger und Geschenke geeignet. Bei Vintage-Uhren erhalten Käufer dafür ein Stück Geschichte mit individuellen Spuren, einem älteren Uhrwerk und oft einer charaktervollen Gestaltung.
Der Gebrauchtkauf verlangt mehr Prüfung. Die Aussage „läuft“ beschreibt lediglich, dass sich die Zeiger bewegen oder das Werk eine Zeit lang arbeitet. Sie sagt wenig über Schmierung, Verschleiß und Ganggenauigkeit aus.
Das Uhrwerk prüfen
Vor dem Kauf einer gebrauchten Taschenuhr sollten folgende Fragen beantwortet werden:
- Läuft das Werk über mehrere Stunden zuverlässig?
- Funktionieren Aufzug und Zeigerstellung?
- Wurde die Uhr gereinigt oder revidiert?
- Gibt es eine Rechnung oder einen Nachweis des Uhrmachers?
- Sind Teile beschädigt, ersetzt oder unvollständig?
- Stimmen Werk- und Gehäusenummern überein?
- Handelt es sich um ein originales oder restauriertes Werk?
Eine Revision umfasst in der Regel das Zerlegen, Reinigen, Prüfen, Schmieren und Regulieren des Uhrwerks. Eine Uhr, die gerade noch läuft, braucht deshalb nicht automatisch keine Wartung.
Gehäuse, Glas und Zifferblatt ansehen
Das Gehäuse sollte auf Dellen, Risse, Korrosion und lose Deckel geprüft werden. Bei einer Savonnette verdienen Scharnier und Verschluss besondere Aufmerksamkeit. Das Glas darf keine scharfen Ausbrüche aufweisen.
Ein Emailzifferblatt mit feinen Haarrissen kann bei historischen Uhren vorkommen. Größere Risse, starke Verfärbungen oder umfangreiche Übermalungen beeinflussen die Originalität und den Wert. Ein restauriertes Zifferblatt ist nicht grundsätzlich schlecht, sollte aber klar als restauriert bezeichnet werden.
Bei Gold- oder Silbergehäusen helfen Punzen bei der Einordnung des Materials. Eine Goldfarbe allein beweist kein Goldgehäuse. Gewicht, Stempel, Gehäuseunterlagen und eine Prüfung durch einen Fachbetrieb liefern verlässlichere Hinweise.
Verkäufer und Beschreibung bewerten
Die Beschreibung sollte zwischen „ungeprüft“, „läuft“, „gereinigt“, „revidiert“, „restauriert“ und „defekt“ unterscheiden. Diese Begriffe werden im Handel nicht immer einheitlich verwendet. Käufer sollten deshalb konkrete Angaben und Detailbilder verlangen.
Bei wertvollen Stücken sind folgende Unterlagen hilfreich:
- Servicebeleg,
- Angaben zu Werk und Gehäuse,
- Fotos von Zifferblatt, Rückseite und Werk,
- Nachweise zur Herkunft,
- Angaben zu früheren Reparaturen,
- Rückgaberecht oder Händlergarantie.
Für Einsteiger ist eine funktionierende Uhr mit nachvollziehbarer Servicehistorie meist die bessere Wahl als eine vermeintliche Rarität mit unklarer Herkunft.
Was kostet eine Taschenuhr?
Die Preise unterscheiden sich stark nach Uhrwerk, Material, Marke, Zustand und Seltenheit. Neue und gebrauchte Uhren sollten getrennt betrachtet werden.
Bei neuen Modellen lagen recherchierte deutsche Listenpreise von Tissot am 26. August 2026 ungefähr in folgenden Bereichen:
| Segment | Preisliche Orientierung |
|---|---|
| Quarzmodelle | etwa 195 bis 395 Euro |
| Mechanische Modelle mit Handaufzug | etwa 925 bis 1.025 Euro |
| Aufwendigere mechanische Ausführungen | teilweise mehr als 2.000 Euro |
Diese Werte beziehen sich auf einzelne Herstellerangebote und sind Momentaufnahmen. Andere Marken und Händler bewegen sich in abweichenden Preisbereichen.
Der Gebrauchtmarkt beginnt bei einfachen funktionsfähigen Taschenuhren im niedrigen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Bereich. Solide Markenmodelle, Silberuhren und gut erhaltene historische Stücke kosten häufig mehr. Goldgehäuse und seltene Komplikationen können den Preis deutlich erhöhen. Das gilt auch für besondere Hersteller und eine dokumentierte Herkunft.
Händlerangebote auf Marktplätzen zeigen den verlangten Preis, nicht automatisch den tatsächlich erzielten Verkaufspreis. Bei gebrauchten Taschenuhren sollten Käufer außerdem mögliche Kosten für Revision, Ersatzteile und Versand einplanen.
Sind Taschenuhren eine Wertanlage?
Eine alte Taschenuhr ist nicht automatisch wertvoll. Das Alter allein entscheidet selten über den Preis. Wichtiger sind:
- Hersteller und Modell,
- Material und Edelmetallgehalt,
- Zustand und Originalität,
- Qualität und Funktion des Uhrwerks,
- seltene Komplikationen,
- dokumentierte Herkunft,
- erhaltene Originalteile,
- Box und Papiere,
- historischer Zusammenhang.
Eine einfache Gebrauchsuhr aus großer Serienproduktion kann trotz hohen Alters wenig kosten. Eine seltene Uhr mit kompliziertem Werk, gutem Erhaltungszustand und nachvollziehbarer Provenienz kann dagegen einen hohen Preis erzielen.
Einzelne Spitzenstücke erreichen bei Auktionen Millionenbeträge. Diese Ausnahmen lassen sich nicht auf gewöhnliche Taschenuhren übertragen. Für die meisten Modelle gibt es keine verlässliche allgemeine Wertsteigerung. Wer eine Taschenuhr kauft, sollte deshalb Gestaltung, Geschichte und Freude an der Mechanik höher bewerten als ein Renditeversprechen.
Taschenuhren richtig tragen und pflegen
Eine Taschenuhr bleibt länger erhalten, wenn sie sicher befestigt und vor Feuchtigkeit geschützt wird.
Beim Tragen
- Befestigen Sie die Kette an einem stabilen Knopfloch oder einer dafür vorgesehenen Halterung.
- Legen Sie die Uhr in eine eigene Tasche, getrennt von Schlüsseln, Münzen und harten Gegenständen.
- Lassen Sie die Uhr nicht an der Kette schwingen.
- Vermeiden Sie starke Stöße und Magnetfelder.
- Gehen Sie bei historischen Uhren grundsätzlich nicht von Wasserdichtigkeit aus.
- Prüfen Sie bei neuen Modellen die konkreten Herstellerangaben zur Wasserbeständigkeit.
Beim Aufziehen
Ziehen Sie eine mechanische Uhr langsam und ohne Kraftaufwand auf. Sobald ein deutlicher Widerstand auftritt, darf die Krone nicht weitergedreht werden. Bei älteren Werken sollten Besitzer die Uhr nicht selbst öffnen, wenn ihnen Erfahrung und geeignetes Werkzeug fehlen.
Bei der Lagerung
Lagern Sie die Uhr trocken und geschützt vor starken Temperaturschwankungen. Eine weiche, separate Hülle verhindert Kratzer am Gehäuse. Bei wertvollen Stücken empfiehlt sich eine Dokumentation von Zustand, Reparaturen und Veränderungen.
Eine Politur sollte erst nach fachlicher Prüfung erfolgen. Sie kann originale Oberflächen, Gravuren oder Punzen verändern und damit den historischen Wert mindern.
Welche Taschenuhr passt zu mir?
Für Einsteiger
Ein Quarzmodell aus Edelstahl mit gut lesbarem Zifferblatt ist pflegeleicht, genau und sofort einsatzbereit. Es eignet sich für gelegentliche Nutzung und für Käufer, die sich nicht mit Aufziehen und Service beschäftigen möchten.
Für Liebhaber mechanischer Uhren
Ein Handaufzugswerk in einer Lépine- oder Savonnette-Uhr vermittelt die klassische Erfahrung. Ein Händler mit Garantie und dokumentierter Revision reduziert das Risiko unerwarteter Reparaturen.
Für Vintage-Einsteiger
Eine funktionierende Stahl- oder Silberuhr aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert bietet einen guten Zugang zur Geschichte. Kaufen Sie zunächst ein Stück mit überschaubarem Preis und klarer Zustandsbeschreibung.
Für Sammler
Ein festgelegtes Sammelgebiet erleichtert die Auswahl. Mögliche Schwerpunkte sind Eisenbahneruhren, deutsche Stiftankeruhren, militärische Modelle, Schweizer Hersteller, bestimmte Gehäusematerialien oder besondere Komplikationen.
Als Geschenk
Bei unklaren Vorlieben ist eine neue Quarzuhr mit Rückgaberecht die sichere Wahl. Eine historische Taschenuhr wirkt persönlicher, wenn Informationen zu Baujahr, Hersteller, Werk und Zustand beiliegen.
Häufige Fragen zu Taschenuhren
Was ist der Unterschied zwischen Lépine und Savonnette?
Eine Lépine-Uhr besitzt keinen vorderen Deckel und lässt sich schnell ablesen. Eine Savonnette hat einen Sprungdeckel, der Glas und Zifferblatt schützt. Sie ist dadurch meist etwas dicker.
Wie zieht man eine mechanische Taschenuhr auf?
Die Krone wird langsam in Aufzugsrichtung gedreht, bis ein deutlicher Widerstand auftritt. Dann darf sie nicht weitergedreht werden. Bei einer unbekannten historischen Uhr sollte ein Uhrmacher die richtige Bedienung erklären.
Wie viel ist eine alte Taschenuhr wert?
Der Preis hängt vor allem von Marke, Material, Zustand, Originalität, Werk und Seltenheit ab. Das Alter allein reicht für eine Bewertung nicht aus. Für eine belastbare Einschätzung braucht es Fotos und eine Prüfung durch einen Fachbetrieb oder Sachverständigen.
Sind Taschenuhren noch modern?
Taschenuhren sind kein verbreitetes Alltagsprodukt mehr. Hersteller bieten jedoch weiterhin neue Quarz- und mechanische Modelle an. Heute stehen Stil, Tradition, Mechanik und Individualität im Vordergrund.
Welche Taschenuhr eignet sich als Geschenk?
Für unkomplizierte Nutzung eignet sich ein Quarzmodell. Wer mechanische Uhrmacherei schätzt, freut sich eher über einen Handaufzug. Bei einer Vintage-Uhr sollten Zustand und Service nachvollziehbar sein.
Wie erkennt man eine echte Gold-Taschenuhr?
Punzen, Gehäuseangaben, Gewicht und eine fachliche Materialprüfung geben Hinweise. Farbe und Glanz des Gehäuses reichen nicht aus. Bei wertvollen Uhren sollte ein Juwelier oder Uhrmacher das Material prüfen.
Wie oft muss eine mechanische Taschenuhr gewartet werden?
Das hängt von Werk, Nutzung und Zustand ab. Eine unregelmäßig laufende, stehen bleibende oder auffällig laute Uhr gehört zum Uhrmacher. Bei historischen Modellen ist der tatsächliche Servicezustand wichtiger als ein starrer Kalenderabstand.
Fazit
Taschenuhren verbinden tragbare Uhrmacherei, Schmuck und Geschichte. Ihre Entwicklung begann mit dem Federantrieb und der Miniaturisierung mechanischer Werke. Im 19. Jahrhundert wurden sie durch industrielle Fertigung für viele Menschen erschwinglich, bevor die Armbanduhr ihren Platz als praktischer Alltagszeitmesser übernahm.
Heute sprechen bewusstes Tragen, besondere Gestaltung und mechanische Nähe für eine Taschenuhr. Quarzmodelle eignen sich für eine einfache Nutzung, mechanische Uhren für Liebhaber traditioneller Technik. Beim Kauf einer gebrauchten Uhr sind Zustand, Originalität und Service wichtiger als ein hohes Alter. Wer diese Punkte prüft, findet ein langlebiges Accessoire und häufig ein kleines Stück Technikgeschichte für die eigene Tasche.