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Taschenuhren

Eine Taschenuhr tragen Sie in der Hosen-, Westen- oder Jackentasche und befestigen sie meist mit einer Kette an der Kleidung. Viele wählen sie als Schmuckstück, Geschenk oder Sammleruhr. Für unkompliziertes Ablesen eignet sich ein Quarzwerk; wer Handaufzug und Uhrmacherkunst schätzt, wählt ein mechanisches Werk.

Geschichte der Taschenuhr

Tragbare Uhren gab es in Europa bereits im 16. Jahrhundert. Sie dienten damals oft auch als Schmuck. Sie gingen nicht besonders genau. Außerdem lässt sich die Taschenuhr keinem einzelnen Erfinder eindeutig zuschreiben. Technische Verbesserungen machten die Uhren im Laufe der folgenden Jahrhunderte brauchbarer. Die 1675 entwickelte Unruhspirale, eine feine Feder im Gangregler der Uhr, machte die Zeitmessung genauer und verringerte die Empfindlichkeit gegenüber Bewegungen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Taschenuhren flacher und gleichmäßiger gefertigt. Männer trugen sie häufig in der Westentasche. Frauen befestigten kleinere Uhren unter anderem an Halsketten, Broschen oder sogenannten Chatelaines, also Schmuckketten mit Anhängern. Die Kette hielt die Uhr am Kleidungsstück und prägte zugleich ihr Aussehen.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert setzte sich die Armbanduhr zunehmend durch. Sie ließ sich schneller ablesen und passte besser zu veränderten Alltagsanforderungen. Während des Ersten Weltkriegs nutzten Soldaten Armbanduhren, weil sie die Zeit schnell prüfen konnten. Taschenuhren verloren dadurch ihre Rolle als alltäglicher Standardzeitmesser, blieben aber als Schmuck- und Sammlerstücke erhalten.

Auch die kleine Tasche in der Jeans erinnert an die frühere Nutzung: Levi Strauss & Co. zufolge war sie ursprünglich als Uhrentasche gedacht. Die zweite Gesäßtasche kam später hinzu. Nach der Zählung des Unternehmens ist sie die eigentliche fünfte Tasche.

Gehäuse und Funktionen

Mit der Bauform ist bei Taschenuhren meist die Art des Gehäuses gemeint. Eine offene Taschenuhr hat keinen Deckel vor dem Zifferblatt. Bei einer Sprungdeckeluhr schützt ein aufklappbarer Deckel das Zifferblatt. Eine Halbsavonnette besitzt im Deckel ein Fenster, durch das sich die Zeit ablesen lässt. Begriffe wie „Lépine“ und „Savonnette“ beziehen sich je nach Verwendung auch auf die Bauweise des Uhrwerks. Bei historischen Stücken lohnt es sich daher, das konkrete Gehäuse und Werk zu prüfen, statt sich allein auf eine Typenbezeichnung zu verlassen.

Taschenuhren unterscheiden sich außerdem durch ihre Zusatzfunktionen. Eine kleine Sekunde zeigt die Sekunden auf einem separaten Zifferblatt an. Ein Chronograph ermöglicht das Stoppen von Zeitabschnitten; ein Kalender ergänzt die Datumsanzeige. Eine Minutenrepetition schlägt die Zeit hörbar an. Ein Skelettwerk legt Teile des Mechanismus sichtbar frei. „Chronometer“ steht für eine auf präzise Zeitmessung ausgerichtete Uhr und ist nicht einfach ein anderes Wort für Chronograph.

Quarz oder Handaufzug

Ein Quarzwerk nutzt eine Batterie. Ein Quarzkristall schwingt regelmäßig und gibt damit den Takt vor. Es muss nicht täglich aufgezogen werden und passt zu einer Taschenuhr, die bei gelegentlichen Anlässen zuverlässig die Zeit anzeigen soll. Ein Batteriewechsel bleibt erforderlich.

Ein mechanisches Handaufzugswerk speichert Energie in einer gespannten Zugfeder. Beim Entspannen treibt sie über Zahnräder die Zeiger an; eine Hemmung mit Unruh und Spiralfeder regelt den Ablauf. Sie ziehen die Feder regelmäßig von Hand auf. Wie genau die Uhr geht, hängt auch von Temperatur und Magnetfeldern ab. Erschütterungen, die Lage der Uhr und der Aufzug der Feder spielen ebenfalls eine Rolle. Das Aufziehen gehört für viele Liebhaber zum Erlebnis, verlangt aber mehr Aufmerksamkeit als ein Quarzwerk.

Automatikwerke ziehen die Feder durch Bewegung auf und kommen ebenfalls in Taschenuhren vor. Weil eine Taschenuhr anders getragen wird als eine Armbanduhr, sollte beim Kauf geprüft werden, wie das konkrete Modell seinen Aufzug erhält.

Die passende Taschenuhr finden

Legen Sie zuerst fest, ob Sie die Uhr regelmäßig tragen, verschenken oder Ihrer Sammlung hinzufügen möchten. Für gelegentliche Nutzung und einfache Handhabung spricht ein modernes Quarzmodell. Bei einer mechanischen oder historischen Uhr zählen außerdem der Zustand des Werks und die Originalität der Teile. Auch die belegbare Geschichte des Stücks spielt eine Rolle.

Bei einer gebrauchten Taschenuhr reicht ein ansprechendes Zifferblatt als Kaufgrund nicht aus. Erkundigen Sie sich, ob die Uhr läuft und wann sie zuletzt geprüft oder gewartet wurde. Fragen Sie außerdem, ob Teile ersetzt oder verändert wurden. Fotos des Werks und Zifferblatts sowie des Gehäuses und der Kennzeichnungen helfen Ihnen, den Zustand der Uhr einzuschätzen. Bei einem historischen Sammlerstück kann ein Uhrmacher das Werk vor dem Kauf untersuchen. Dass eine alte Uhr läuft, belegt weder eine kürzlich erfolgte Wartung noch ihre dauerhafte Zuverlässigkeit.

Prüfen Sie auch, ob Zifferblatt, Zeiger, Werk und Gehäuse plausibel zusammengehören. Ein frisch wirkendes Gehäuse kann poliert worden sein. Die Beschreibung sollte ein erneuertes Zifferblatt und Ersatzteile nennen. Zustand und Originalität beeinflussen den Sammlerwert, doch eine allgemeingültige Preisformel gibt es nicht. Das bedeutet auch nicht, dass die Uhr im Wert steigt.

Wenn Sie die Uhr tragen möchten, achten Sie auf Größe, Gewicht und Ablesbarkeit. Eine Kette sollte zur Befestigung und Kleidung passen und die Uhr vor Verlust schützen. Bei einer Uhr mit Deckel sollten Sie prüfen, ob sich dieser im Alltag bequem öffnen lässt.