Wann müssen Uhrendichtungen geprüft werden?

Uhrendichtungen sind Gummi- oder Kunststoffringe an Glas, Gehäuseboden und Krone. Sie halten Feuchtigkeit, Staub und Temperaturschwankungen vom Uhrwerk fern. Mit der Zeit verlieren sie ihre Elastizität und dichten nicht mehr zuverlässig ab.

Deshalb gilt: Dichtungen bei jedem Service prüfen lassen, spätestens alle drei bis fünf Jahre, und immer nach einem Stoß oder längerem Wasserkontakt. Wer das versäumt, riskiert, dass Feuchtigkeit ins Innere eindringt und das Uhrwerk rostet oder die Zeiger beschlagen.

Was Dichtungen leisten

Eine Armbanduhr ist nur so wasserdicht wie ihre schwächste Stelle. Die Dichtungen sitzen genau dort, wo Wasser eindringen könnte. Die Uhrglasdichtung fixiert das Glas am Gehäuse und verschließt den Spalt dazwischen. O-Ringe, also runde Gummidichtungen, dichten den Gehäuseboden und die Krone ab. Bei vielen Modellen kommt zusätzlich eine flache Gummidichtung oder eine härtere Kunststoffdichtung zum Einsatz. Welche Dichtung verbaut ist, hängt vom Druck ab, der auf der Stelle lastet.

Solange diese Dichtungen intakt sind, bleibt die Uhr dicht. Sobald eine Dichtung porös wird, rissig ist oder sich verformt hat, dringt bei Kontakt mit Wasser Feuchtigkeit ein. Das passiert oft unbemerkt, weil die Uhr zunächst noch normal läuft. Erst später zeigen sich Schäden wie beschlagene Innenseite des Glases, trübes Zifferblatt oder ein stehen gebliebenes Uhrwerk.

Was die Wasserdichtigkeitsangabe bedeutet

Die Angabe auf dem Gehäuseboden, etwa 3 ATM, beschreibt den Druck, dem die Uhr im Labor unter statischen Bedingungen standgehalten hat. Sie ist keine Empfehlung für eine Tauchtiefe. Eine Uhr mit 30 Metern Wasserdichtigkeit (3 ATM) verträgt Spritzwasser und Regen, aber keinen Tauchgang und nicht einmal das Schwimmen im Becken.

Diese Angaben beziehen sich auf eine neue Uhr mit frischen Dichtungen. Wenn die Dichtungen älter werden, sinkt die tatsächliche Belastbarkeit, auch wenn die Angabe auf dem Gehäuse unverändert bleibt. Wenn Sie Ihre Uhr also regelmäßig mit ins Wasser nehmen, sollten Sie die Dichtungen häufiger prüfen lassen als jemand, der die Uhr nur im Büro trägt.

Wann Sie die Dichtungen prüfen lassen sollten

Es gibt kein festes Intervall, das für alle Uhren gilt. Die Hersteller empfehlen in der Regel, die Uhr alle drei bis fünf Jahre zum Service zu bringen, und bei diesem Termin gehört die Prüfung der Dichtungen dazu. Wenn Sie die Uhr häufig tragen, im Sommer schwimmen gehen oder sie starken Temperaturschwankungen aussetzen, verkürzen Sie dieses Intervall auf etwa zwei Jahre.

Manchmal müssen Sie die Dichtungen aber sofort prüfen lassen, ohne auf den nächsten Servicetermin zu warten. Dazu gehört ein harter Stoß, etwa wenn die Uhr auf Fliesen fällt oder gegen eine Kante schlägt. Auch nach jedem Kontakt mit Salzwasser sollten Sie die Uhr mit klarem Wasser abspülen und trocknen lassen. Wenn Sie die Krone unter Wasser betätigt haben, etwa um die Uhr aufzuziehen oder die Zeit zu stellen, ist eine Prüfung ebenfalls sinnvoll, weil die Krone die empfindlichste Stelle der Abdichtung ist.

Feuchtigkeit unter dem Glas ist ein sicheres Zeichen für eine defekte Dichtung. Dann hilft kein Abwarten, die Uhr muss sofort zum Uhrmacher, damit das Uhrwerk getrocknet und die Dichtung ersetzt wird. Auch ein beschlagenes Glas nach einem Regenschauer deutet auf eine undichte Stelle hin.

Situationen, die den Wasserschutz besonders belasten

Nicht jeder Wasserkontakt ist gleich. Einige Situationen setzen den Dichtungen deutlich stärker zu als ein kurzer Regen:

  • Salzwasser greift Gummi an und lässt es schneller spröde werden. Nach jedem Bad im Meer gehört die Uhr unter klarem Wasser abgespült.
  • Heißes Wasser ist problematisch, weil sich das Gehäuse bei Wärme ausdehnt und die Dichtung dabei kurzzeitig ihren Sitz verändern kann. Duschen oder Baden mit der Uhr sollten Sie vermeiden, auch wenn die Uhr als wasserdicht gilt.
  • Temperaturwechsel, etwa vom warmen Büro in die eiskalte Winterluft, erzeugt Kondenswasser im Inneren. Das ist kein Dichtungsfehler, aber es zeigt, dass die Uhr nicht für extreme Temperatursprünge gebaut ist.
  • Bedienung der Krone unter Wasser ist die häufigste Ursache für eindringende Feuchtigkeit. Die Krone ist über eine bewegliche Welle mit dem Werk verbunden, und genau an dieser Stelle muss die Dichtung besonders viel leisten.

Wer seine Uhr regelmäßig diesen Belastungen aussetzt, sollte die Dichtungen mindestens einmal im Jahr prüfen lassen. Das kostet beim Uhrmacher wenig und schützt vor einem teuren Schaden am Uhrwerk.

So prüft der Uhrmacher die Dichtungen

Die Prüfung selbst ist kein großer Eingriff. Der Uhrmacher öffnet das Gehäuse, begutachtet die Dichtungen auf Risse, Verformungen und Porosität und ersetzt sie bei Bedarf. Anschließend wird die Uhr mit einem Druckprüfgerät getestet, das den Wasserdruck simuliert. Erst wenn die Uhr diesen Test besteht, gilt sie wieder als wasserdicht.

Bei älteren Uhren ist der Tausch der Dichtungen oft sinnvoller als die Prüfung, weil die Dichtungen nach vielen Jahren ohnehin verschlissen sind. Die Kosten für neue Dichtungen sind gering, der Arbeitsaufwand für den Uhrmacher ist der gleiche wie bei einer Prüfung. Wenn Sie die Uhr also zum Service bringen, lassen Sie die Dichtungen gleich mit erneuern, statt nur prüfen zu lassen.