Was ist ein Tourbillon?
Das Tourbillon ist eine Vorrichtung in mechanischen Uhren, bei der sich Unruh und Hemmung um die eigene Achse drehen. Unruh und Hemmung sind die Teile, die den Takt der Uhr bestimmen. Der französische Name bedeutet Wirbelwind. Ursprünglich sollte das Tourbillon den Einfluss der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit ausgleichen. Heute ist es vor allem ein Prestige- und Handwerksmerkmal. Für die Präzision moderner Uhren ist es meist nicht mehr nötig.
Warum das Tourbillon erfunden wurde
Die Unruh schwingt hin und her, die Hemmung gibt diese Schwingungen an das Räderwerk weiter. Die Schwerkraft zieht an diesen Bauteilen, und je nachdem, in welcher Lage die Uhr liegt, wirkt sie anders. Eine Uhr, die nachts auf dem Nachttisch liegt, geht anders als dieselbe Uhr am Handgelenk.
Abraham-Louis Breguet, ein französisch-schweizerischer Uhrmacher, erhielt ein Patent für eine Konstruktion, die diesen Lagereinfluss ausgleichen sollte. Er setzte Unruh und Hemmung in einen drehbaren Käfig, der sich in der Regel einmal pro Minute um die eigene Achse dreht. Dadurch wandert die Schwerkraftwirkung im Kreis herum und mittelt sich über die Zeit aus. Die Ganggenauigkeit wird weniger lageabhängig.
So ist ein Tourbillon aufgebaut
Der Käfig ist die zentrale Konstruktion des Tourbillons. Er trägt Unruh, Spirale und Hemmung. Die Spirale ist die feine Feder, die die Schwingung der Unruh steuert. Dieser Käfig ist mit dem Räderwerk verbunden und dreht sich kontinuierlich. Bei den meisten Tourbillons dauert eine volle Umdrehung genau eine Minute.
Die Herstellung ist aufwendig: Die Bauteile sind winzig, der Käfig muss leicht sein, damit er die Unruh nicht zu stark belastet, und alles muss exakt ausgewuchtet sein. Ein Tourbillon besteht aus vielen Einzelteilen, die von Hand montiert und justiert werden; diese Komplexität macht es zu einem Prüfstein für die Fertigkeit eines Uhrmachers.
Warum das Tourbillon heute Prestige bedeutet
Für die Ganggenauigkeit einer modernen Uhr ist das Tourbillon in den meisten Fällen nicht mehr nötig. Moderne Fertigung, bessere Materialien und präzisere Lager haben den Lagereinfluss so weit reduziert, dass eine gut gemachte Uhr ohne Tourbillon genauso genau geht wie eine mit. Der praktische Nutzen ist also gering.
Geblieben ist der Wert als Handwerks- und Prestigemerkmal. Marken wie Chanel, Hermès und Louis Vuitton setzen Tourbillons in ihren hochwertigsten Modellen ein, um ihre uhrmacherische Fertigkeit zu zeigen. Die Chanel J12 Diamond Tourbillon Caliber 5 ist ein Beispiel dafür. In der Haute Horlogerie, der hohen Uhrmacherkunst, gelten solche mechanischen Zeitmesser als zeitlos und unabhängig von kurzlebigen Modetrends.
Wenn Sie ein Tourbillon kaufen, zahlen Sie in erster Linie für Handwerkskunst und Seltenheit, nicht mehr für messbare Präzision. Die Stückzahlen sind klein, weil die Montage viel Zeit und Erfahrung braucht, und der Preis liegt entsprechend hoch.