Mechanische Uhren richtig aufziehen und pflegen
Wie Sie eine mechanische Uhr aufziehen und pflegen, hängt vom Modell ab. Handaufzugsuhren ziehen Sie über die Krone auf; Automatikuhren nutzen zusätzlich die Bewegung Ihres Arms. Die Bedienungsanleitung nennt die nötigen Kronendrehungen und erklärt, wie Sie die Uhr reinigen und ob sie für den Kontakt mit Wasser geeignet ist.
Handaufzug oder Automatik?
Bei einer Handaufzugsuhr spannt die Krone die Zugfeder, in der die Uhr ihre Energie speichert. Ziehen Sie die Uhr so oft auf, wie der Hersteller angibt. Viele Handaufzugsuhren werden täglich aufgezogen, am besten morgens, bevor Sie die Uhr anlegen.
Eine Automatikuhr besitzt zusätzlich einen beweglichen Rotor. Er dreht sich bei Bewegung und spannt dadurch die Zugfeder. Wenn Sie die Uhr täglich tragen und sich ausreichend bewegen, braucht sie häufig keinen zusätzlichen täglichen Handaufzug. An einem ruhigen Tag oder nach längerer Pause reicht die Bewegung unter Umständen nicht aus.
Wenn die Uhr stehen bleibt, ist ihre gespeicherte Energie aufgebraucht. Das allein deutet nicht auf einen Defekt hin. Die Gangreserve, also die Laufzeit nach dem Aufziehen, hängt vom Werk und Modell ab. Prüfen Sie die Angabe in der Anleitung, statt sich auf eine allgemeine Stundenzahl zu verlassen.
Mechanische Uhr richtig aufziehen
Nehmen Sie die Uhr zum Aufziehen möglichst vom Handgelenk. So können Sie die Krone gerade drehen und belasten sie weniger seitlich. Bei einer verschraubten Krone lösen Sie zuerst die Verschraubung, wie es die Anleitung für Ihr Modell beschreibt.
- Drehen Sie die Krone langsam und gleichmäßig in der vorgesehenen Aufzugsrichtung.
- Bei einer Handaufzugsuhr hören Sie auf, sobald Sie deutlichen Widerstand spüren, und drehen nicht mit Kraft weiter.
- Bei einer Automatikuhr, die stehen geblieben ist, richten Sie sich nach der Anleitung. Die nötige Zahl und Richtung der Drehungen unterscheiden sich je nach Werk.
- Drücken Sie die Krone anschließend wieder hinein oder verschrauben Sie sie korrekt.
Hersteller nennen unterschiedliche Zahlen für die nötigen Kronendrehungen. Bei manchen Uhrwerken ist sogar die Aufzugsrichtung anders. Folgen Sie deshalb der Anleitung Ihrer Uhr. Auch wenn viele Automatikwerke eine Kupplung haben, die ein Überspannen der Zugfeder verhindert, sollten Sie die Krone nicht unbegrenzt weiterdrehen.
Uhrzeit und Datum einstellen
Stellen Sie Uhrzeit und Kalenderfunktionen nach der Anleitung des Modells ein. Bei manchen Uhrwerken lässt sich das Datum in einem bestimmten Zeitraum rund um Mitternacht nicht gefahrlos über die Schnellverstellung ändern, mit der Sie das Datum direkt einstellen. Dieser Zeitraum ist nicht bei allen Uhren gleich. Wenn Sie die Uhrzeit nicht kennen oder die Uhr lange stand, stellen Sie zuerst die Zeiger und danach Datum oder Kalender, sofern die Anleitung diese Reihenfolge vorgibt.
Im Alltag tragen
Eine Automatikuhr zieht sich durch Armbewegungen auf. Wie stark sich die Uhr dabei aufzieht, hängt davon ab, wie lange Sie sie tragen und wie viel Sie sich bewegen. Ein ruhiger Bürotag und ein aktiver Tag können daher unterschiedliche Ergebnisse bringen. Eine allgemeingültige Mindesttragezeit gibt es nicht.
Lassen Sie die Uhr bei starken Stößen und wiederholten Erschütterungen besser liegen. Solche Belastungen können das Uhrwerk strapazieren. Ob eine bestimmte Sportart für Ihre Uhr geeignet ist, hängt vom Modell und der Aktivität ab.
Wenn Sie eine Uhr längere Zeit nicht tragen, darf sie stehen bleiben. Um sie wieder zu benutzen, ziehen Sie sie nach Herstelleranleitung auf und stellen sie ein. Manche Hersteller empfehlen, ihre mechanischen Uhren auch bei längerer Nichtbenutzung regelmäßig aufzuziehen; das ist eine markenspezifische Empfehlung und keine allgemeine Pflicht für jedes Werk.
Magnetfelder und Gangabweichungen
Magnetfelder können den Gang einer mechanischen Uhr stören. Halten Sie die Uhr deshalb von starken Magneten und magnetischen Verschlüssen fern. Wie empfindlich die Uhr ist, hängt von ihrem Aufbau ab; ein kurzer Aufenthalt neben einem elektronischen Gerät bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sie beschädigt ist.
Geht Ihre Uhr nach dem Kontakt mit einem Magnetfeld auffällig vor oder nach, lassen Sie sie prüfen. Eine Fachperson kann feststellen, ob sie entmagnetisiert werden muss.
Gehäuse und Armband reinigen
Wischen Sie Schweiß und Feuchtigkeit nach dem Tragen mit einem weichen Tuch ab. Für Gehäuse und Metallarmband eignet sich Wasser nur, wenn der Hersteller diese Reinigung für das konkrete Modell erlaubt und die Uhr in entsprechendem Zustand ist. Ob Sie Seife verwenden dürfen, hängt ebenfalls vom Modell ab. Halten Sie sich an die Bedienungsanleitung und weichen Sie die Uhr nicht ohne Herstellerfreigabe ein.
Lederarmbänder sollten trocken bleiben. Vermeiden Sie längeren Kontakt mit Wasser, Schweiß oder Kosmetika. Schützen Sie das Leder außerdem vor starker Sonne. Wenn das Leder feucht wird, lassen Sie es an der Luft trocknen und halten Sie es von direkter Hitze fern.
Wasserschutz prüfen
Die Angabe zur Wasserresistenz gilt für ein bestimmtes Modell. Sie setzt eine intakte Krone und intakte Drücker voraus; auch die Dichtungen müssen intakt sein. Dichtungen altern; Stöße und Eingriffe am Gehäuse können den Schutz beeinträchtigen. Drücken oder verschrauben Sie die Krone vor Wasserkontakt nach Anleitung vollständig.
Leiten Sie aus einer Wasserangabe nicht automatisch ab, dass jede Uhr zum Schwimmen oder Tauchen geeignet ist. Prüfen Sie dafür die Herstellerangaben und den Zustand der Uhr. Wenn sie mit Salz- oder Chlorwasser in Kontakt kommt, spülen Sie sie nur dann mit klarem Wasser ab, wenn der Hersteller das für das Modell erlaubt.
Kondenswasser unter dem Glas ist ein Warnzeichen. Lassen Sie die Uhr zeitnah von einer Fachperson prüfen, statt abzuwarten.
Wann die Uhr zum Service gehört
Wie oft Hersteller einen Service empfehlen, hängt vom Werk, der Nutzung und dem Modell ab. Manche empfehlen wenige Jahre, andere deutlich längere Abstände. Richten Sie sich nach der Anleitung Ihrer Uhr und lassen Sie sie früher prüfen, wenn sich ihr Verhalten deutlich verändert.
Ein deutlich kürzerer Lauf nach dem Aufziehen, starkes Vor- oder Nachgehen, ein unregelmäßiger Lauf oder eine schwergängige oder lockere Krone sind Gründe für eine Prüfung. Lassen Sie auch die Wasserresistenz regelmäßig kontrollieren, wenn Sie die Uhr häufig Wasser aussetzen. Für diese Prüfung gibt es ebenfalls keine einheitliche Frist für alle Modelle.