Wasserdichtigkeit bei Uhren: Was bar-Angaben wirklich bedeuten
Viele Uhren tragen auf dem Gehäuseboden Angaben wie „5 ATM", „5 bar" oder „50 m". Diese Angaben stammen aus einem Labortest mit ruhendem Wasser und beschreiben keine erlaubte Tauchtiefe. Eine Uhr mit „5 ATM" übersteht keinen Tauchgang bis 50 Meter. Für den Alltag zählt allein, wofür der Hersteller die Uhr freigibt.
Was die Meterangabe wirklich bedeutet
Die Prüfung der Wasserdichtigkeit folgt den Normen DIN 8310 und ISO 2281. Der Hersteller setzt das ganze Gehäuse in ruhendem Wasser einem gleichbleibenden Druck aus, der dem Druck einer bestimmten Wassersäule entspricht. 1 bar entspricht ungefähr dem Druck einer 10 Meter hohen Wassersäule, weshalb auf vielen Uhren 3 bar, 3 atm und 30 Meter für denselben Wert stehen. Die Einheit atm stammt aus der Physik und ist im Uhrengeschäft bis heute verbreitet, obwohl sie dort längst durch bar ersetzt wurde.
Der Test prüft nur, ob das Gehäuse diesen Druck aushält, ohne dass Wasser eindringt, zeigt aber nicht, was beim Schwimmen, Springen oder Tauchen passiert. Armbewegungen erzeugen im Wasser kurzzeitig höheren Druck, dazu kommen Temperaturwechsel und Stöße. Eine Uhr, die im Test 50 Meter standhält, ist deshalb nicht automatisch zum Schwimmen geeignet.
Welche Stufe für welche Aktivität reicht
So ordnen Sie die Stufen für den Alltag ein:
- 3 bar / 30 m: Händewaschen, Regen und Spritzwasser. Zum Duschen, Baden, Schwimmen oder Tauchen nicht geeignet.
- 5 bar / 50 m: Händewaschen, Regen, Spritzwasser und Baden in ruhigem Wasser. Kein Duschen, Schwimmen oder Tauchen.
- 10 bar / 100 m: Händewaschen, Regen, Spritzwasser, Duschen, Baden und Schwimmen. Kein Tauchen.
- 20 bar / 200 m: Alle genannten Aktivitäten einschließlich Tauchen.
Der Unterschied zwischen Baden und Duschen liegt im Wasserstrahl und in der Seife: Beim Duschen trifft das Wasser mit Druck auf das Gehäuse, und Duschgel kann den Fettfilm auf den Dichtungen angreifen. Deshalb ist die 5-bar-Uhr für ein Bad in ruhigem Wasser geeignet, aber nicht für die Dusche.
Steht auf dem Gehäuseboden oder Zifferblatt keine Angabe zur Wasserdichtigkeit, halten Sie die Uhr von jedem Wasserkontakt fern. Auch Regen und Händewaschen sind dann ein Risiko.
Diese Fehler lassen Wasser eindringen
Auch eine 10-bar-Uhr zieht Wasser, wenn sie falsch behandelt wird. Die häufigsten Fehler:
Die Krone unter Wasser bedienen. Die Krone ist eine der Schwachstellen des Gehäuses: Wenn Sie sie unter Wasser ziehen oder drücken, lassen Sie kurz Feuchtigkeit eindringen. Prüfen Sie vor jedem Wasserkontakt, dass die Krone ganz eingedrückt ist. Bei Uhren mit Schraubkrone schrauben Sie die Krone vor dem Schwimmen fest zu.
Heißes Wasser und Dampf. Wenn Sie mit einer Uhr duschen, die dafür nicht freigegeben ist, belasten Sie die Dichtungen doppelt. Warmes Wasser und Dampf beanspruchen das Material stärker als kaltes Wasser, und Dampf dringt leichter ein, weil er feiner ist. Duschgel kann den Fettfilm auf den Dichtungen angreifen.
Starke Temperaturwechsel. Wenn Sie mit der Uhr in die Sauna gehen oder sie im Winter von draußen direkt in warmes Wasser halten, erzeugen Sie im Gehäuse Druckunterschiede, bei denen die Dichtungen mehr leisten müssen als beim gleichmäßigen Druck im Labortest.
Stöße und Schläge. Ein harter Stoß gegen eine Tischkante oder einen Türrahmen kann eine Dichtung verschieben oder das Glas anheben. Nach einem solchen Schlag sollte ein Fachhändler die Uhr auf Dichtheit prüfen.
Alternde Dichtungen. Die Dichtungsringe bestehen aus Gummi oder Kunststoff und werden mit der Zeit spröde. Eine Uhr, die jahrelang dicht war, muss es heute nicht mehr sein. Bei einem Service oder Batteriewechsel sollte der Uhrmacher die Dichtungen prüfen und erneuern.
Warum die Herstellerfreigabe zählt
Weil die Meterangabe aus dem statischen Labortest stammt, sagt sie allein wenig über den Alltag aus. Der Hersteller kennt die Bauweise seiner Uhr: die Dicke der Dichtungen, die Konstruktion der Krone, die Qualität des Glases. Deshalb gibt er in der Bedienungsanleitung an, wofür die Uhr freigegeben ist. Wenn Sie diese Freigabe ignorieren und sich nur an der Meterzahl orientieren, kann ein Wasserschaden die Uhr irreparabel beschädigen.
Die Meterzahl ist keine Freigabe. Eine 5-bar-Uhr hält im Test 50 Meter aus, ist aber nach Herstellerangabe nicht zum Schwimmen geeignet. Eine 10-bar-Uhr übersteht das Schwimmbad, aber keinen Tauchgang. Beim Tauchen steigt der Druck mit der Tiefe, und die Bewegung belastet die Dichtungen stärker als der gleichmäßige Druck im Labor.