Chronext Uhren

Armbanduhren Chronext

"Und wir fühlten uns zu lange zu klein." Die Chronext hat gezeigt, dass Luxus-Uhren auch im Netz auffindbar sind. Der Online-Händler vertreibt nun auch feine Uhren auf stationärer Basis. Nirgendwo in Deutschland kann man eine Nobeluhr besser erwerben als in diesem Zimmer im achtzehnten Obergeschoss eines noblen Büroturms in Frankfurt. Nichts ähnelt einem Schmuck- oder Uhrengeschäft, der Saal haucht die solide Objektivität einer Kanzlei ein, hat die Grösse eines Studentenwohnheims und das riesige Panoramafenster ermöglicht einen herrlichen Ausblick.

Aber hier wird geshoppt, auch Click & Collect streng genommen, denn dieses Büro ist Eigentum von Chronext, dem schnell expandierenden Online-Händler für schöne Uhren. Jeder, der einen Zeitmesser über dieses Internetportal bestellen möchte, kann ihn sich zusenden bzw. erhalten. Chronext verfügt über Salons in München, Frankfurt, Köln, Hamburg, London und in Zug.

Die Waren kommen entweder vom Produzenten, einem Großhandel - oder einem der 2000 Händler aus 40 Nationen, die mit Chronext zusammenarbeiten. Weil das Unter-nehmen erstens ein Handelsplatz ist, auf dem der stationÃ?re Einzelhandel digitales GeschÃ?ft machen kann - und bei Chronext zwischen 15 und 20 % VerkaufsgebÃ?hr.

"Dabei sind wir nicht Amazon, sondern Handelspartner, der die Innenstadt ausfegt", so Philipp Man. Vor vier Jahren, als er und sein Geschäftsfreund Ludwig Wurlitzer Chronext gegründet haben, mussten sie als 23-Jährige dafür sorgen, dass sie in der biederen Luxusindustrie ernst zu nehmen sind. Es gibt auch Hunde in den Chronext-Büros, es gibt den obligaten Tischfußball und ein großes Gemeinschaftsessen einmal pro Woche.

Die Chronext AG hat inzwischen mehr als 100 Beschäftigte, die Produktpalette umfasst rund 32.000 Uhren, das Umsatzvolumen stieg zwischen 2015 und 2016 um beachtliche 380% auf rund 50 Mio. EUR und für 2018 ist ein dreistelliges Millionen-Euro-Transaktionsvolumen geplant: Die Benchmark beträgt 100 Mio. EUR. Sie schreitet zügig voran und zu Beginn des neuen Geschäftsjahres haben Man und Würlitzer wieder Geld für Investitionen gesammelt - die früheren Sponsoren Octopus Ventures, Partech Ventures und Capnamic haben ihr Eigenkapital um 28 Mio. EUR erhöht.

Wer aber mit dem Menschen spricht, lernt, dass die Wachstumsrate noch höher hätte sein können, wenn er und Würlitzer nicht zwei große Irrtümer gemacht hätten. "Der zweite Fehler: "Obwohl wir sehr rasch wuchsen, zögerten wir, in unsere eigene Struktur zu investieren. "Die beiden Chronext-Gründer sind immer noch nicht groß, aber sie haben sich seit der Jahresmitte auch nicht kleiner gefühlt, weil die beiden Jungs ein paar Plätze in der Relevance League erklommen haben.

Auf einmal traten bekannte Uhrenhersteller an sie heran, um gemeinsam mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Das neue Interessensgebiet kann für den großen Veränderungsprozess in der Schmuck- und Uhrenindustrie stehen. Mehrere Teilnehmer trafen sich Ende Mai in München, um über die neue Zeit, die digitale Vernetzung von Offline und Onlinebetrieb, zu diskutieren. Frank-Michael Müller, der mit seinem Marktforschungsunternehmen Verantwortlicher in diesem Bereich ist, hat zum Beispiel festgestellt, dass 30 Prozent aller Goldschmiede in Deutschland nicht einmal über eine eigene Webseite verfügen.

Einer von ihnen ist übrigens der 27-jährige Philipp Man. "Philipp Man macht sich darüber keine Sorgen." "Bisher geht es allen gut, die Marge in der Wirtschaft liegt bei 10 bis 20 %. Nun, die jüngere Geschichte war nicht so gut für die Uhrenindustrie - aber das war eine sehr hohe Krisensituation.

Deshalb haben sie die moderne Zeit vernachlässigt - und deshalb haben die neuen reinen Internetspieler wie Chronext den Vorzug. "Den ganzen Tag über denkt man nur an das Internet, was uns einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft", sagt Philipp Man. In Deutschland beträgt das Absatzvolumen für Uhren und Juwelen laut Statista-Marktforschern fast 4,8 Mrd. EUR, während andere Studien von 6 Mrd. EUR ausgingen.

Früher wurden die Waren von Händlern und Kunden missbilligt, heute macht Chronext gute Geschäfte damit. In diesem Jahr will das Traditionsunternehmen 20.000 Uhren absetzen, ohne zu sagen, wie viele davon benötigt werden. Vor allem, weil Chronext nicht mehr wie früher viel verbrauchte Waren kauft.

Ist er doch nicht befriedigt, kann er es innerhalb von 14 Tagen kostenfrei zurückgeben, aber das ist in der Luxusindustrie nicht weit verbreitet: Die Anzahl der Rücksendungen bei Chronext beträgt 3 bis 4 Prozentpunkte, sagt Philipp Man. Wofür Mann und Würlitzer im Online-Handel mit Luxusgütern arbeiten mussten.

Das bedeutet nicht nur die Kommunikation mit unseren Kundinnen und Kunden über E-Mail, Chat, Social Media und telefonisch, sondern nicht mit einem anonyme Call Center, sondern mit Ihren eigenen Mitabeitern. Es geht immerhin um Uhren, die rasch über dreizehntausend Euros kosten: Die teuersten Uhren, die Chronext je verkaufte, waren es.

Philipp Man sagt lieber nicht, wie kostspielig die nötigen Versicherungen für sein Unternehmen sind.

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