Panerai 3646

Panorama 3646

Panoramablick, Vintage Radiomir, Ref: 3646. Verkauft von Bachmann & Scher.

Jahrgang Panerai: Die Pape-Radiomir Reference 3646 und D-Serie.

Nur sehr wenige der Panerai-Schwimmeruhren, die sowieso nur in kleinen Mengen hergestellt werden, haben bis heute überlebt. Manche dieser Armbanduhren tauchten erst nach jahrzehntelanger Zeit wieder auf und informieren heute über ihren früheren Zweck. Es gibt nur eine kleine Zahl von Uhrwerken, deren Historie bis zum Einsatzzeitpunkt lückenlos dokumentierbar ist.

Wir präsentieren heute eine weitere Panerai-Uhr mit Geschichte: Pape-Radiomir ist eine von 60 heute wohlbekannten D-Typ-Uhren, die wir seit 2003 in unserer Datenbasis registriert haben. Im Unterschied zu Typ-C-Uhren (siehe Beitrag "The Lehmann Radiomir") haben Typ-D-Uhren eine zweistellige Fallnummer (der Nummernbereich der Typ-D-Uhren reicht von 260408 bis 260838) und wurden 1943 und 1944 inszeniert.

Auffällig an dieser Uhr ist das vorzeichenlose Ziffernblatt ohne Panerai-Beschriftung. Weil diese Variante nahezu ausschliesslich von den Bundeswehrsoldaten verwendet wird, wird sie unter den Liebhabern auch "3646 Kampfschwimmer" oder "Kampfschwimmer Panerai" bezeichnet. Der Aufbau des Sandwich-Zifferblattes ist bis auf die fehlenden Gravuren des Schriftzuges "Radiomir Panerai" baugleich.

Die Kunden hatten sich damals für eine bestimmte Zahl von Armbanduhren gegen den Panerai-Schriftzug entschieden und Armbanduhren mit "anonymen Zifferblättern" bestellt. Auch heute noch sind die gebläuten Eisenzeiger der Pape-Radiomir mit ihrem ursprünglichen Leuchtmaterial bedeckt. Häufig zeigen solche Hände klare Anzeichen von Alterung in Gestalt von Rost, da das pulvrige Leuchtmaterial mit Mineralwasser vermischt wurde und bereits während der Anwendung mit dem Handstahl reagierte.

Mit einigen Armbanduhren ist die veraltete Lichtmasse im Lauf der Zeit ganz oder zum Teil ausgebrochen. Diese wurde im Einzelfall anschließend durch eine tritiumbasierte Lichtsubstanz nachgerüstet. Der persönliche Stil des Liebhabers bleibt es überlassen, die Naturerscheinungen der Alterung zu bewahren oder das Leuchtmaterial zu regenerieren, um die Hände wieder in ihre Originalqualität zu bringen - gute Lesbarkeit im Dunkeln.

Die Bilder zeigen anschaulich, dass sich die Lichtmasse des Zifferblattes in den letzten Jahrzehnten in unterschiedlichem Maße verändert hat. Aufgrund der Feinrisse in der oberen Farbschicht kam das darunter liegende Leuchtmaterial mit Luftsauerstoff in Berührung und lagerte damit kräftiger als die Bar-Indizes, deren Farbschicht ohnerissig ist.

Heute finden sich je nach Alterungsprozess Armbanduhren mit zum Teil sehr unterschiedlichen Ziffernblättern, deren Lichtmasse ein Farbenspektrum von honiggelb bis tiefrot hat. So erhielt nahezu jede dieser wenigen Armbanduhren im Laufe der Jahre ein eigenes Antlitz. Der Stich der Einsatzgruppe Keller mit den Initialien ihres Halters Heinz Pape liegt auf dem Boden des Gehäuses und wird mit einem modifizierten Rasiermesser ausgeführt.

Auffällige Stiche wurden im Monatsmai 1945 (während der Gefangenschaft im Kriegsgefangenenlager auf Sylt ) von einem Uhrenhersteller hergestellt, der zum Escortteam der Einsatzgruppe Keller zählte. Außerdem gravierte er die Wachen der Kriegsschwimmer, die anderen Einsatzkräften zugeordnet waren und auch auf der nordfriesischen Insulaner unterwiesen wurden ( "Der Lehmann-Radiomir").

Bei der hier vorgestellten Panerai-Uhr (Buch "Geschichte1", Kap. II) handelte es sich um Heinz Pape. 1944 war er von Ende Juni bis einschließlich 19. September 1944 in Valdagno (Italien) für die Hallenausbildung von Kampfschwimmern eingesetzt. In San Giorgio in der venezianischen Bucht schloss er ab dem 13. Juni 1944 seine Marineausbildung ab, bevor er am 16. Oktober auf die "Weisskoppel" in Sylt, dem ehemaligen Sitz der Kampfschwimmer, umzogen wurde.

Hier absolvierte er seine Lehre am I. Weltkrieg und war ab dem II. Weltkrieg bei der Einsatzgruppe Keller im Dienst, wo er bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs mehrere Operationen gegen Stegbrücken der vordringenden sowjetischen Truppen ausübte. An diesen Brücken, aber auch an noch wenigen intakten Bahnbrücken, setzten die Einsatzgruppenschwimmer ihre Sprengstoffe auf Brückenpfeiler oder Anker der Pontons und setzten sie durch Zeitzündung in Gang, als sie zu den Zielen schwebten.

Weil es neben der hier vorgestellten Panerai-Uhr auch ein rares Terminkalender mit ausführlichen Unterlagen aus den vergangenen Kriegswochen gibt, konnte die Schlachtroute der Kriegsschwimmer um Heinz Pape entlang der Osterfront verfolgt werden. In seinem Terminkalender notierte Heinz Pape viele Hinweise auf die Betriebsverhältnisse, darunter Informationen über die Temperatur des Wassers oder die Strömungsgeschwindigkeit des Baches - Informationen, mit denen es nun möglich ist, sich ein exaktes Gesamtbild über die Betriebsbedingungen der Einsatzschwimmer zu machen.

Der Einsatz fand immer nachts statt und führte zum Teil durch feindliche Besatzungsgebiete an beiden Ufern oder bei heftigen Feuerwehren unmittelbar an der Front. Abhängig vom Ziel beförderten die Kampffreunde kleine Sprengkörper oder große Torpedominen ins Trudeln, die von mehreren Kampffreunden auf Festmachseilen, die durch den Fluß zu den Zielobjekten schwebten, mitgenommen wurden.

Vom Einstiegspunkt am Ufer bis zum Bestimmungsort waren es oft mehrere Kilometern, was dazu führte, dass die Kämpferschwimmer Stunden lang durch den Fluß schwammen mussten. Die Wassertemperatur in der Oder lag zum Einsatzzeitpunkt bei nur 3°C. Die Wasserqualität war sehr gut. Für die Abstimmung mit anderen Einsatzkräften war es wichtig, dass die Kampffahrer in absoluter Finsternis und unter der Wasseroberfläche die exakte Zeit ablesbar sind, um das Gewässer zu einem zuvor festgelegten Termin rechtzeitig zu verlassen und möglichst zu ihren eigenen Leitungen zurückkehren zu können.

Mit einer wasserdichten Panerai-Uhr mit leuchtendem Zifferblatt war es ein bedeutendes Werkzeug, das ein Klimaschwimmer neben einem Armbandkompass über seiner Tauchausrüstung mitnahm. Panerai-Uhren wie die hier vorgestellte Radiomir von Heinz Pape mit einer so umfassenden Dokumentierung gehören zu den seltenen Zeitmessern ihrer Gattung.

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