Dieser Einschreibebrief mit Stempel vom 24. Mai 1948 fiel mit der Nationalisierung der Fa. A. Lange & Söhne und der Fahrt von der Glashütte in der Sowjetbesatzungszone nach Pforzheim in der amerikanischen Okkupationszone zusammen. Unter anderem wurden die bewährten Standard-Chronometer, die F-Chronometer Kal. 48 und die Aussichtsuhren Kal. 48 hergestellt.
Gleichzeitig wurde an der Weiterentwicklung eines Armbanduhrenkalibers und einer Stopuhr gefeilt. Die linke Tischuhr ist eine 48-Gauge-Beobachtungsuhr, die bereits von der Mechanik Lange & Söhne mit der Zifferblattbezeichnung "Lange Value Added Glashütte Sa." ergänzt wurde. Es hat noch immer keine Zifferblattunterschrift mit dem im Januar 1950 in der DDR eingeführten Qualitätszeichen F für hervorragende, hochqualitative und weltweit marktfähige Waren.
Der Produktionsbeginn hätte vor der zweiten Hälfte des Jahres 1950 liegen müssen. Weil die bereits genannten Observationsuhren sehr genau und genau verarbeitet waren, schien es technisch vernünftig und möglich, daraus durch eine Skalenreduktion ein hochqualitatives Armbanduhrenwerk zu bauen. Als Reaktion auf die damals sehr hohe Nachfrage durch Kriege, Diebstähle und Reparaturen war es das Ziel, das erste hochwertige Armbanduhrenkaliber zu entwerfen, das von A. Lange & Söhne in Großserie hergestellt werden konnte.
Das Resultat war bereits 1948 das 12 linierte (28 mm) gefütterte (28 mm) Caliber 26 & 28.1. Während das Caliber 26 noch die kleine zweite bei sechs hatte, war das Caliber 26. 1 bereits mit der damals modernsten zweiten von der Bildmitte mit dabei. Auch die Weiterentwicklung der Schaltuhr 65, die auch auf dem Format 48 basiert, wurde rechtzeitig fertiggestellt.
Eine der ersten Armbanduhrenmodelle des Kalibers 28.1, die bereits mit dem Q-Zeichen unter der Registernummer 27 der DSG ausgezeichnet wurde, trägt die Werksnummer 120296 und wurde am 28. Juli 1950 versteigert. Obwohl die Radstandsbrücke des vor der Vergabe des Gütesiegels Gütesiegel in dieser Hinsicht noch keine Reliefprägung zeigt, wurden bereits neue Ziffernblätter mit dem Gütesiegel hergestellt und die Uhren mit ihnen ausgerüste.
Bis zur rechtlichen Festlegung der Vergabe der Einführung des Gütezeichens Q1 im Feber 1950 konnte es keine Artikel der Fa. E. M. Lange & Söhne mit diesem Gütesiegel der DDR ausgeben. Für DDR-Produkte mit dem Qualitätszeichen Frage werden die von der DAMG herausgegebenen ersten Registrierungsnummern im I. Kataloge der Leipzigischen Herbstemesse 1951 für die vom Mechaniker Lange & Söhne stammenden Geräte des Verbandes angezeigt und von der GUB übernommen und fortgesetzt.
Noch 1951, als die Monteurin Lange & Söhne ihre Tätigkeit in die neuen Unternehmen der Firma eingliederte, überlagerten sich die Zifferblatt- und Bewegungssignaturen mit vorgefertigten Rohlingen oder Rohlingen aus der bisherigen Fertigung. Damit verfügt das staatliche Unternehmen Monteur Lange & Söhne nach dem Krieg über ein umfangreiches Angebot an hochwertigen Produkten für die Anfangszeit: das Marinechronometer Glashütte Kaliber 100, die Beobachtungsuhren 48, das Stoppuhrkaliber 65 und die beiden Armbanduhrenkaliber 28.
Zugleich bemühte sich der VVB Maschinenbau Dresden, der Lange & Söhne in Leipzig präsentierte, 1949 mit den im In- und auswärtigen Bereich wohlbekannten Produkten der Vorkriegszeit und dem Namensgeber A. Lange & Söhne wieder auf dem Weltmarkt zurechtzukommen. Erste heimische Warenwerbung des Unternehmens A. Lange & Söhne, verstaatlicht im Jahr 1948 unter dem neuen Firmennamen "Mechanik Lange & Söhne VEB" ab 1949; die selbe Warenwerbung wird auch international auf Deutsch eingesetzt.
Die von der Fa. A. Lange & Söhne aus dem Armbanduhrenkaliber 28.1 mit B-Kaliber 48 durch Reduktion des B-Kalibers herausgearbeitete und 1949 auf den Markt gebrachte Uhr 28.1 mit Mittelsekunde war 1950 das erste Erzeugnis der Glashüttener Uhrmacherkunst mit der laufenden Registrierungsnummer 27, das mit dem Qualitätszeichen der DDR ausgezeichnet wurde. Anschließend erfüllten mit den Registriernummern 52 und 53 auch das See-Chronometer-Kaliber 100 und das Armbanduhrenkaliber 28 mit dezentralen kleinen Sekunden die für das Q-Gütezeichen festgelegten Qualitätsstandards.
In der Taschenuhrversion 1 galt diese Qualitätsklassifikation erst nach der Einbindung der Fa. VAEB Mechanik Lange & Söhne in die neue Fa. VAEB Mechanik Gläserhütter uhrwerke. Daß der deutsch-deutschen Markt nach wie vor ungehindert funktioniert, daß die Sperre vor nicht allzu langer Zeit aufgehoben wurde, daß zwei Sprachen und Länder entstanden sind und daß der "Kalte Krieg" "überhitzt" hat, zeigt auch der Verkauf von Silbertaschenuhren des Kalibers 48 durch Lange & Söhne im Jahre 1950 zu einem Einheitspreis von 300 D-Mark an die Fa. Dugena Generalunternehmung Deutschehrmacher e. G. m. B. H. in Berlin (West).
Interessanterweise wurden diese Pocketuhren von "Mechanik Lange & Söhne VEB", obwohl das Unternehmen seit zwei Jahren unter einem neuen Firmennamen nationalisiert war, an die Fa. A. Lange & Söhne mit der ehemaligen Wortspur "A. Lange & Söhne" auf Ziffernblatt und Uhrwerk und in diesem Fall mit der Marke Lange veräußert. In der DDR vertriebene Armbanduhren trugen bereits zu diesem Anlass die Zifferblattinschrift "Lange Value Added Glashütte i. Sachsen".
Hervorzuheben ist auch, dass der D-Mark-Preis vom Finanzministerium der DDR bewilligt wurde und dass das Unternehmen Dugena die pro Uhr benötigten 35 Gramm Gold liefern musste. Die letzte Werbung für die Erzeugnisse der bis zum 1. Juli 1951 noch eigenständigen Mechanik Lange & Söhne Vater Glashütte Sa. tauchte im 1951 bei Wilhelm Knapp Halle (Saale) erschienenen Lehrenbuch für das Uhrenmacherhandwerk Band II auf.
Interessanterweise ist festzustellen, dass die hier gezeigte Marinebeobachtungsuhr mit dem Lange-Uhrwerk 48 als Präzisionsgerät noch nicht das höchstmögliche Qualitätszeichen der DDR, das Gütesiegel auszeichnet. Bereits kurz nach seiner Markteinführung, in der ersten Jahreshälfte 1950, hatte das Herrenarmbanduhrenkaliber 28, das 1949 durch Reduktion von diesem Modell auf den Markt gebracht wurde, dieses Gütesiegel wie auch das Marinechronometerkaliber 100 bekommen.
Das Uhrwerk der mechanischen Lange & Söhne-Uhren wurde mit einer Werksnummer versehen. Auch nach der Übernahme des Unternehmens in die Glashütte Uhrmacherbetriebe AG wurde diese Praktik aufrechterhalten. Auf der Grundlage der konservierten und von der GUB in Relation zur übernommenen Produktlinie der Fa. "Mechanik Lange & Söhne VEB", fortgesetzter Arbeits- und Verkaufsunterlagen sind diese Waagen noch heute belegbar.
Die entsprechenden Bescheinigungen werden vom Deutschen Uhrenmuseum Glashütte auf der Basis von geeigneten Nachweisen ausgestellt. Kurt-Herkner "Glashütte Armbanduhren Armband 2".