Das Geschäft mit Gebrauchtuhren der Luxusklasse blüht. Die Uhrenproduzenten selbst bemühen sich ebenfalls, sich im "zertifizierten Gebrauchtmarkt" zu platzieren. Das Geschäft mit Gebrauchtuhren nimmt zu. François-Henry Bennahmias, CEO von Audemars Piguet, kündigte auf dem internationalen Uhrenmesse SIHHH (Salon International de la Haute Horlogerie) zu Beginn des Jahres an, dass "pre-owned" die nächst große Sache in der Uhrenindustrie sei.
Der Anteil der Liebhaber von mechanischen Uhren steigt, die qualitativ hochstehenden Uhren sind extrem haltbar, Oldtimer liegen im Trend und es wird mehr Vielfalt statt der Uhr fürs ganze Jahr angestrebt. Über das Intranet ist es auch leicht möglich, ein Wunschmodell überall auf der Erde zu suchen oder es wieder zu vertreiben.
Neben Märkten wie E-Bay oder Ricardo, wo Uhren neben anderen Angeboten vertrieben werden, sind auf nahezu allen Kontinenten spezielle E-Commerce Plattformen wie Bob's Watches (USA, seit 1999), Watchfinder (UK, 2002), Chrono24 (Deutschland, seit 2003), The Real Real Real (USA, 2011), Watchbox (USA, 2012) oder Chronext (Deutschland, 2013) hinzugekommen. Es gibt auch Händler, die im Bereich der gebrauchten Uhren tätig sind, wie der US-Uhrenhändler Tourneau, der zu Jahresbeginn von der schweizerischen Schmuckkette Bucherer aufgekauft wurde.
In den vergangenen fünf Jahren hat er neben dem klassischen Uhrengeschäft die gebrauchte Uhrenplattform Watchbox entwickelt, die bereits in Hongkong und Singapur in den USA und seit neuestem auch in der Schweiz zuhause ist. Die Besonderheit von Watchbox ist, dass sie nicht nur ein Handelsplatz ist, der zwischen Käufern und Verkäufern vermitteln kann.
Die Firma erwirbt und vertreibt gebrauchte Uhren selbst. Wenn Sie Ihre Uhr weiterverkaufen wollen, müssen Sie nicht darauf verzichten, dass sich ein anderer Kunde dafür interessier. Sie können sie über die Watchbox-App kostenlos bewertet und, wenn sie dem Kurs zustimmen, an die Firma weiterverkaufen. Der Grund für den Aufbau des Second-Hand-Geschäfts bei Govberg war der Wille vieler unserer Kundschaft, ihre Gebrauchtuhren beim Neukauf einer Uhr eintauschen zu können, wie es z.B. in Europa beim Autokauf der Fall ist.
Die Firma arbeitet mit echten "Händlern", die den Preis der angebotenen Uhren bestimmen und die Uhren für die Uhrenbox einkaufen. Laut Susanne Hurni von der Firma Watchbox Switzerland sind mehr als zwanzig Händler in den USA und Asien tätig; in der Schweiz werden sie mit zwei Händlern starten, die bald ihre Tätigkeit aufnehmen werden. Nach Govbergs Vorstellungen sollten Eigentümer von Luxus-Uhren in der Lage sein, den Preis ihrer Gebrauchtuhr so leicht wie möglich zu bestimmen.
Die App für die Uhrenbox enthält bereits eine Sekundärmarktanalyse verschiedener Typen mit den erzielten Auktionspreisen. Govberg sagte Bloomberg kürzlich, dass die Profitabilität des Unternehmens nicht von den zuständigen Stellen bestimmt werden kann, sondern dass der Absatz schnell anstieg.
In den vergangenen fünf Jahren stieg sein Umsatz mit Gebrauchtuhren um durchschnittlich 40% pro Jahr, der mit neuen Uhren um 3 bis 5%. Gegründet im Jahr 2002, hat sich das E-Commerce Unternehmen zum größten britischen Hersteller von Gebrauchtuhren etabliert. Zusätzlich zu seinem Online-Angebot verfügt das Unternehmen über sieben Geschäfte in Großbritannien und ein Service-Center mit 200 Mitarbeitern, die von unterschiedlichen Marken zertifiziert sind.
In der Zwischenzeit hätte die 100 Millionen Pfund Grenze übertroffen werden müssen. Mit der Richemont Gruppe, zu der die Marken IWC, Jaeger-LeCoultre, Vacheron Constantin und Lange & Söhne gehören, ist der erste große Uhrenproduzent in den Gebrauchtuhrenmarkt eingestiegen. Bislang standen die Hersteller meist im Hintergrund und halfen den Händlern z. B. bei der Authentisierung von Uhren oder der Ersatzteilbeschaffung.
Doch auch andere Luxusuhrenhersteller haben den Wunsch geäußert, sich ein Teil dieses wachsenden Kuchens zu schneiden. Bei der SIHHH erklärte Bennahmias von Audemars Piguet, dass es ein Irrtum sei, den Gebrauchtuhrenverkauf den Versteigerungen, ortsansässigen Verkäufern und Handelsplattformen zu hinterlassen. Wer die Uhren am besten kennt, kann es besser.
Bennahmias zufolge hat das Untenehmen bereits erste Versuche in seiner Filiale in Genf unternommen und plant, innerhalb von drei Jahren ein umfassendes Sortiment an gebrauchten Audemars Piguet-Modellen auf den Markt zu bringen. Schon jetzt bietet die Firma Oris gebrauchte Uhren auf kleiner Flamme an. Co-CEO Rolf Studer erläutert auf Wunsch, dass einige gebrauchte Uhren bereits in seiner eigenen Uhrenboutique in Basel gekauft werden können.
Es ist schwer vorherzusagen, ob der Markt für Gebrauchtuhren nach dem Vertrieb von Uhren die meisten größeren Luxusuhrenhersteller beeinflussen wird. Im Frühjahr sagte Jean-Claude Biver der "Sonntags-Zeitung", dass er in den kommenden achtzehn Monate eigene Vertriebsportale für Uhren einrichten werde, die bereits für "die eine oder andere Marke" getragen wurden.
Die Swatch Group hingegen erläutert auf Wunsch, dass sie "nicht alles selbst machen will", sondern in diesem Zusammenhang mit den besten Händlern der Welt zusammenarbeitet. Auch die Uhren wurden von den Uhrenmarken - insbesondere Breguet, Blancpain, Omega und Longines - zertifiziert und authentifiziert. Die Burlington Arcade im Mayfair -Viertel unter der Leitung von George Somlo, einem renommierten Kenner klassischer Uhren, bietet seit zehn Jahren mit Hilfe von Omega die klassischen Uhren der Uhrenmarke an.
Für den Verbraucher spielt es keine Rolle, ob die Uhren von der eigenen Firma oder von zertifizierten Verkäufern verkauft werden.